Wer ist Gott? Teil 2

Fortsetzung der
Überlegungen von Dipl.Math. Ulrich Meyer , September 2004
                    Zur Hauptseite :    Homepage Ulrich Meyer
email_to                                    Zum englischen Text :    in English


Anregung zu dieser Fortsetzung kommen aus dem Buch 'Das Universum in der Nußschale' Buch
von  Stephen Hawking .

zur Stephen Hawking Seite

Inhalt:
1. Woher kommen wir?
2. Verstehen durch Vereinfachen
3. Die Naturgesetze
4. Suchen nach vereinfachtem Gottesbild
5. Bin ich ein Atheist?
6. Zur Fortsetzung:  Wer ist Gott? Teil 3 - Die Antwort
7. Anmerkungen


1. Woher kommen wir?

 Unsere moderne Wissenschaft hat enorme Kenntnisse über unser Universum und dessen Entstehung aus einem Urknall herausgefunden. Nach Einsteins Relativitätstheorie bilden die drei Raum-Dimensionen mit der Zeit-Dimension eine Einheit, der so genannten Raumzeit und in dieser gibt es Materie, die nach Einstein (E = m*c²) gleich Energie ist. Die Naturgesetze beschreiben dann die Wechselwirkungen zwischen den Materieteilchen. Dies war alles zum Zeitpunkt des Starts des Urknalls auf einen Punkt konzentriert, was mathematisch gesehen eine Singularität (s.u.- Kap.3 Naturgesetze) darstellt. Eine höchste Konzentration von Masse bzw. Energie auf einen kleinen räumlichen Punkt, der sich dann durch den ‚Urknall’ zu unserem Universum ausdehnte und sich immer noch weiter ausdehnt. Dabei ist zu bedenken, dass bei der kleinsten Änderung beim Urknall oder dessen Anfangsbedingungen, wir sehr wahrscheinlich in der Geschichte nicht vorgekommen wären oder wir hätten nur als etwas ganz anderes in einer anderen Welt vorkommen können. Wäre z.B. die Ausdehnungsgeschwindigkeit eine Sekunde nach dem Urknall nur um 10 -15 % kleiner gewesen (Anmerkung  [1]), wäre das Universum wieder zusammengefallen. Die Entwicklung nach dem Urknall ist dann weitgehend erklärbar. So sind wir ein Ergebnis eines zwangsläufigen Ablaufs einer Evolution. Der heutige Ist-Zustand unserer Welt ist weitgehend aber doch noch nicht vollständig schon beim Urknall festgelegt worden.


2. Verstehen durch Vereinfachen

 Was vor dem Urknall war und was außerhalb und noch vieles was innerhalb unseres Universums ist, ist für unsere herkömmliche Vorstellungskraft, die durch unsere Sinne auf unsere Erde geprägt ist, unmöglich zu erahnen. Erst durch modernste wissenschaftliche Messungen und Berechnungen gibt es Versuche für eine mögliche teilweise Erklärung. Um diese Erkenntnisse verständlicher zu machen, versucht man sie beispielsweise für eine Erklärung in den Dimensionen zu reduzieren. Die gekrümmte Raumzeit des Universums, wie sie Einstein berechnet und nachgewiesen hat, kann man durch folgendes Beispiel verständlicher machen. Man stellt sich einem zweidimensionalen Raum also eine Fläche vor, die eine Kugeloberfläche ist. Lebewesen auf dieser Kugeloberfläche haben nur eine zweidimensionale Denkensweise und können sich durch ihre Wahrnehmungen die Krümmung der Kugel nicht vorstellen. Wenn sie sich aber in für sie gerader Richtung fortbewegen, kommen sie irgendwann nach einer Umrundung der Kugel wieder an ihren Ausgangspunkt zurück, was aber ihrem Verständnis total widerspricht (Anmerkung  [2]). Mit solchen Reduzierungen auf ein Verständnis für unsere herkömmlichen Sinne muss man versuchen die berechneten und vermuteten Phänomene in unserem Universum und außerhalb davon zu verstehen.
 Stephen Hawking hat dies in seinen Büchern „Eine kurze Geschichte der Zeit“ und „Das Universum in der Nußschale“ sehr anschaulich versucht. Eine mögliche Beschreibung von Hawking von unserem expandierenden Universum aus einem Urknall heraus ist ein Vergleich mit kochendem Wasser, in dem spontan Dampfblasen entstehen und sich vergrößern. Ich finde diesen Vergleichsversuch sehr beeindruckend. Unser Universum wäre dann nur eines von vielen ähnlichen aber doch zwangsläufigen Zufallsprodukten in einem Überuniversum, einer Art Urwasser aus der unsere Energie kommt. Wir wären aus einer Art Energie-Kristallisierungspunkt entstanden, der sich in Form unseres Universums entladen hätte. Diese Beschreibung mag für unser Empfinden zunächst grob gesehen als einigermaßen plausibel erscheinen. Aber schon bei der Kompliziertheit unseres Universums für unser Verständnis, das mit unseren normalen Sinnen den gekrümmten Raum mit Singularitäten kaum verstehen kann, wäre eine solche Erklärung zu einfach. Doch vielleicht ist sie eine mögliche reduzierte Erklärung, wie oben beschrieben, und müsste um Dimensionen und andere Sachverhalte erweitert werden um der Wirklichkeit noch näher zu kommen. Auch schon dieses Bild der Blasen im kochenden Wasser ist bei Hawking komplizierter als es zunächst erscheinen mag. Hierbei wäre unser Universum nicht die ganze Blase sondern nur deren Oberfläche, eine so genannte Bran (Anmerkung [3]), deren Inneres ein höherdimensionaler Raum wäre. Dies erinnert an unser obiges Beispiel von den 2-dimensional denkenden Lebewesen auf einer Kugel. Bei der Oberflächenform gibt es keinen Mittelpunkt und keine Grenzen, was unseren Erkenntnissen über unser expandierendes Universum auch bestens entspricht.
 Bei einem solchen Bild könnte für mich Gott in irgendeiner Form in diesem kochenden Wasser enthalten sein, in dem wir ganz eingebettet wären. Dies hätte auch eine bemerkenswerte symbolische Bedeutung, da für uns Leben immer mit der Existenz von Wasser zusammen hängt. Auf fremden Planeten suchen wir immer nach Wasser, um mögliches Leben zu finden. In Wirklichkeit wäre dieses kochende Wasser wohl eine Art Plasma oder irgendeine Suppe von Teilchen und Energie oder etwas ganz anderes.
 Aber da haben wir schon wieder neue Fragen, wie es außerhalb der Bran aussieht? Hawking hat daher noch zwei weitere Varianten für unser Universum, die sich mathematisch herleiten lassen. Einmal eine Blase wie beim obigen Modell des kochenden Wassers, aber außerhalb davon absolut nichts, noch nicht einmal leerer Raum. Oder eine Blase, deren Außenseite ganz an der Außenseite einer gleichen, von innen nach außen gekehrten Blase haften würde. Die Bran wäre dann die Oberfläche von beiden Blasen. Da gäbe es auch nichts außerhalb der Blase. Dieses Modell ist anschaulich schon schwieriger zu verstehen.
 Bei den letzten zwei Modellen bliebe als Raum für Gott nur das höherdimensionale Innere der Blase. Wir spürten seine 'Arme' in Form von Energie, wie es schon bei Kapitel 4  'Wo ist nun Gott?'  aus dem ersten Teil von 'Wer  ist Gott?' als eine Möglichkeit angenommen wurde.


3. Die Naturgesetze

 Nun habe ich ein paar Bemerkungen zu den so genannten Naturgesetzen. Man sollte unterscheiden zwischen den Naturgesetzen als die wahren Wechselwirkungen in der Natur und den Naturgesetzen, die Wissenschaftler mit mathematischen Formeln beschreiben. Bei den wahren, wirklichen Naturgesetzen gibt es sehr wahrscheinlich noch einige, von denen wir noch gar keine Kenntnis haben.
 Die Mathematik ist eine Wissenschaft, die auf bestimmten Grundlagen, wie z.B. unserem Zahlensystem, ein in sich logisch aufgebautes Gebäude oder System aufgestellt hat. Bei der Beschreibung der Naturgesetze durch pysikalische Formeln, wird ein mathematisches Modell mit der Natur verglichen um daraus Vorausberechnungen zu machen. Wenn diese Berechnungen dann mit der Wirklichkeit übereinstimmen, nimmt man dieses Modell als Naturgesetz an. Irgendwelche anderen Lebewesen in unserem Universum haben vielleicht ein ganz anderes Zahlensystem und darauf ein anderes in sich logisches System entwickelt. Deren mathematisch begründeten Naturgesetze würden anders als unsere aussehen, aber die gleichen Ergebnisse liefern.
 Ein Problem in der Übereinstimmung von Natur mit mathematischen Formeln gibt es besonders bei Singularitäten. HyperbelEine Singularität ist beispielsweise bei der Funktion f(x) = 1/x die Annährung von x gegen Null. Der Wert f(x) strebt dann gegen unendlich und ist dort exakt nicht definiert. Bei unserem Universum kommen aber Singularitäten vor, wie z.B. die Materiedichte beim Start des Urknalls oder bei schwarzen Löchern. Dort gibt es dann Schwierigkeiten mit der mathematischen Beschreibung dieser Zustände. Dabei sind gerade diese Singularitäten sehr interessant, weil sie möglicherweise Schlupflöcher oder eine Art von Ventilen aus unserem Universum hinaus sind.
 Nachdem Einstein seine Relativitätstheorie formuliert hatte, schien diese zuerst im Widerspruch zu der klassischen Mechanik. Aber die Relativitätstheorie geht in die Newtonschen Gesetze über unter der Bedingung von Geschwindigkeiten, die sehr gering sind im Verhältnis zur Lichtgeschwindigkeit oder bei sehr geringer Gravitationskraft. Die Relativitätstheorie konnte auch nicht zur Beschreibung atomarer Vorgänge herangezogen werden. Diese wurden erst durch die Quantenmechanik möglich. Die klassische Mechanik ist aber auch ein Spezialfall der Quantenmechanik.
 Eine Unvollkommenheit der mathematischen Formulierung zeigt sich auch in der Beschreibung des Lichts. Es wird in einem dualen Modell einmal als Korpuskel, d.h. als Teilchen, und einmal als Welle je nach betrachtetem Vorgang beschrieben. Die Interferenzerscheinungen von Licht (z.B. Beugung am Spalt) lassen sich nur als Überlagerungen von Lichtwellen erklären und nicht durch ein Korpuskelmodell. Dagegen wird die Energie des Lichts in Quanten ausgesendet, den so genannten Photonen, also nicht in einem kontinuierlichen Strom. Dies ist nur durch ein Teilchenmodell erklärbar. Bei der Beschreibung von Licht Phänomenen muss man immer entscheiden, welches Modell man zur Erklärung heranziehen kann.
 Die mathematischen Theorien sind eigentlich nur Modelle, die auf die Natur projiziert werden, um den Verlauf von Ereignissen zu beschreiben und diese voraus zu berechnen. Stephen Hawking und andere Wissenschaftler sind daher bis heute immer noch auf der Suche nach einer einheitlichen Theorie, die das Universum insgesamt beschreiben kann. Alle bisher bekannten Theorien von klassischer Physik, Relativitätstheorie, Quantentheorie, Stringtheorie bis zu den neusten Bran-Welten Modellen sollten dann als Spezialfälle in dieser einheitlichen Theorie enthalten sein. Mit einer solchen Theorie wären viele heutige Fragen zum Universum zu erklären und wir kämen der Weisheit des jüngsten Tages näher.


4. Suchen nach vereinfachtem Gottesbild

 Die Wissenschaft wird noch einige Zeit brauchen um zu einer einheitlichen Theorie zu gelangen. Dann wären wir einer Antwort auf unsere Frage 'Wer ist Gott?' auch viel näher. Wir sollten daher bei all den Spekulationen über Gott ebenso wie bei den Versuchen für Erklärungen über unser Universum vorgehen, in dem man von einem weit über unserem Verständnis liegenden 'Sein' von Gott ausgeht. Er kann nur in einer Form existieren, die weit außerhalb unseres Verständnisses ist. Wir sollten zunächst daher nach einem vereinfachten Gottesbild suchen. Unsere Beschreibungsversuche sollten nur eine reduzierte Form der möglichen Wahrheit sein, ähnlich wie bei den wissenschaftlichen Beschreibungen des Universums. So sollten auch die obigen Beschreibungsversuche angesehen werden. Man könnte Gott als alten Mann im Himmel auch als eine reduzierte Beschreibung ansehen. Allerdings passt diese nur zu einem Verständnis zu viel früheren Zeiten. Bei dem heutigen wissenschaftlichen Kenntnisstand muss man doch von einer viel komplizierteren Existenz ausgehen. Das Problem dabei ist aber noch, dass diese Existenz in einem Raum sein müsste, der für uns zur Zeit auch noch nicht vollständig geklärt ist.


5. Bin ich ein Atheist?

  Ich habe mich öfters gefragt auch meinen Kindern gegenüber, ob ich ein Atheist bin. Viele religiöse Menschen würden dies nach meinen obigen Aussagen bejahen. Meine Antwort darauf ist aber ein klares Nein. Ich akzeptiere und befürworte die christliche Lehre und die anderer Religionen als eine Notwendigkeit für ein positives, friedliches und zukunftorientiertes Leben und Zusammenleben unter den Menschen. Aber ich akzeptiere nicht mehr die unzeitgemäße Darstellung und die Ansichten der heutigen Kirche. Diese Meinung haben auch immer mehr heutige Menschen, was man an den vielen Kirchenaustritten sehen kann. Zur Erklärung meiner Ansichten kann ich auf meine Homepage verweisen.

6. Hier geht es zur Fortsetzung - dem Teil 3 von 'Wer ist Gott?' mit der Antwort!

7. Anmerkungen:
[1] : Dies sind 0,0000000000000001 % und Prozent heißt noch einmal 1/100.  [zurück]

[2] : Genauso würde es auch uns in unserem Universum gehen. Wenn wir mit einer Rakete in gerader Richtung fortfliegen könnten, kämen wir irgendwann nach langer langer Zeit an unserem Ausgangspunkt zurück. So ein Flug ist aber wegen unserer kurzen Lebenszeit und dem Fehlen einer entsprechenden Rakete unmöglich.  [zurück]

[3] : Eine p-Bran ist ein in p-Raumrichtungen ausgedehntes Objekt. Speziell ist eine Membran eine 2-dimensionale und ein String eine eindimensionale Bran. [zurück]

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Letzte Änderung : November 2013                                                                             Home
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------